Rund um den Blautopf

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Blaubeuren zählt zu den besonderen Fleckchen dieser Erde, die ich immer und immer wieder aufsuchen könnte! Augenscheinlichste Attraktion der Region ist sicher der wunderschöne Blautopf, größte Karstquelle der Schwäbischen Alb und (nach dem Aachtopf) auch zweitgrößte Karstquelle Deutschlands. Verborgen bleibt dem “normalen” Besucher, der das intensive Farbspiel bewundert, ein beeindruckendes Höhlensystem, das den Blautopf mit einer Länge von mehr als 6,5 Kilometern untergraben hat, über das man sich aber zumindest in interessanten Publikationen informieren kann (siehe Links am Ende des Artikels). Das sog. Blauhöhlensystem besteht genau genommen aus zwei miteinander verbundenen Höhlensystemen, nämlich der 2 km langen Vetterhöhle und der mehr oder weniger parallel dazu verlaufenden Blautopfhöhle  (s. Bilder unten).

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Was aber hat es nun mit dem Phänomen der Verkarstung auf sich? Und wie entsteht ein derart komplexes Gefüge im Untergrund?

Der Blautopf liegt 16 km nördlich von Ulm und ist somit Bestandteil der Schwäbischen Alb. Hier dominieren Kalke (Karbonate), also wasserlösliche Gesteine, die durch Lösungsvorgänge und Verwitterung leicht Hohlräume ausbilden. Die Auswaschungen werden gefördert durch eine ausgesprochene Klüftigkeit des Gesteins, das im Laufe der Erdgeschichte (z. B. durch Hebungen) intensiv beansprucht wurde und dadurch viele Risse erhalten hat. Durch die Versickerung des Wassers entstehen an der Oberfläche ausgedehnte Trockentäler, während sich in der Tiefe die typischen Karsterscheinungen in Form von Höhlen, Karstquellen oder Quelltöpfen ausbilden.

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Beim Blautopf handelt es sich nun also um einen Quelltopf, entstanden durch den massiven Druck der Wassermassen, die sich ihren Weg zur Oberfläche bahnten. Der entstandene trichterförmige Durchbruch hat einen Durchmesser von etwa 34 m und ist rund 22 m tief. Die Schüttung der hier an die Oberfläche tretenden Karstquelle beträgt nach stärkeren Regenfällen bis zu 32 000 l/s; das Einzugsgebiet, aus dem das Wasser zusammenfließt, reicht von Blaubeuren bis Zainingen und umfasst insgesamt etwa 160 Quadratkilometer.

Bild von Markus Boldt,
Quelle: Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

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Bild von Arbeitsgemeinschaft Blautopf http://www.blauhoehle.org, Quelle: Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

So schön blau wie auf den Fotos ist der Blautopf übrigens nicht immer. Nach starken Regenfällen, wenn mitgeschwemmte Partikel das Wasser verunreinigen, kann der Blautopf durchaus einmal schmutzig braun wirken.

Blautopfhöhle Wolkenschloss.
Bild von Andreas Kücha (ARGE Blautopf), Quelle: Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Blautopfhöhle Otriven.
Bild von Andrea Kücha (ARGE Blautopf), Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Walhalla in der Vetterhöhle.
Bild von Markus Boldt, Quelle: Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kaum verwunderlich, dass dem Volksglauben nach bereits mehrere Nixen den geheimnisvoll und unergründlich wirkenden Blautopf bewohnten. Berühmteste Vertreterin sicherlich die “schöne Lau”, einst in den Blautopf verbannt, da sie das Lachen verlernt und nur tote Kinder zur Welt gebracht hatte. Wer möchte, kann ihre Geschichte genauer in Eduard Mörickes berühmtem Stuttgarter Hutzelmännchen nachlesen.
Und auch eine Nixe war es, die einst sämtliche Versuche vereitelte, die Tiefe des als bodenlos geltenden Blautopfs zu bestimmen, indem sie das in die Tiefe herabgelassene Bleigewicht stets verschwinden ließ. Nach diesem Bleilot wurde schließlich auch ein Felsen in der Umgebung benannt, das “Klötze Blei”, das auch in einem bekannten Kindervers vorkommt:
’S leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeira,
glei bei Blaubeira leit a Klötzle Blei.

Wer nach dem Besuch des Blautopfs auch noch ein bisschen die Umgebung erkunden will, findet viel Interessantes. Hier ein paar Vorschläge in Stichworten:

  • Brillenhöhle: Kuppelhöhle mit brillenförmiger Deckenöffnung. Bedeutende archäologische Fundstelle, ausgegraben 1955 – 1963 duch G. Riek. Länge: 20 m, Breite: 17 m. Nutzung durch eiszeitliche Jäger vor 28 000 bis 12 000 Jahren. Die Hauptfunde stammen aus dem Magdalénien: Steinwerkzeuge, Schmuck, Feuerstellen, Elfenbeinharpunen sowie in der Deutung umstrittene zertrümmerte menschliche Schädelteile mit Brandspuren. Der Zugang zur Höhle ist mit einem Gitter gesichert, allerdings veranstaltet das urgeschichtliche Museum Führungen, bei denen die Höhle besichtigt werden kann.

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Abschließend noch eine Übersichtskarte, in der die genannten Orte eingetragen wurden. Datengrundlage: OpenStreetMap, veröffentlicht unter CC-BY-SA 2.0.


 
Verwendete Literatur:

  • Die Vetterhöhle. Forschungsbericht aus dem Blauhöhlensystem. Grabenstettener Höhlenkundliche Hefte, Nr. 12. Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten e. V. 2007
  • Blautopf und Blautal. Wissenswertes von, um und über eine Karstquelle. Bürgermeisteramt Blaubeuren, 1996
  • Wikipedia

 
Interessante Links:

ARGE Blautopf
www.blaubeuren.de
www.blauhoehlensystem.com
Wissenschaftliche Publikationen bei www.blauhoehle.org
Höhlenkundliche Publikationen bei www.germancavediving.de: z. B. Biologische UnterwasserforschungenVor- und frühgeschichtlicher Schwertfunde aus dem Blautopf oder Mittelalterlicher Glasfund