Einblicke in ein Spinnennest

Eikokon
Am 8. August entdeckt: Ein kleiner Spinnen-Eikokon, dessen weitere Entwicklung es natürlich zu beobachten galt. Bisher kaum mit Detailwissen zur Spinnen-Biologie bewandert hat mich die rasante Entwicklung der Eier schnell fasziniert und zur Beschäftigung mit dem Thema motiviert:
Je nach Art enthält der vom Spinnenweibchen geformte Kokon 2 bis 100 winzige Eier, aus denen nach einer Entwicklungszeit von etwa 2 Wochen kleine Spinnchen schlüpfen. Der Kokon ist ein schützendes Gebilde aus Spinnseide, das die Spinnenmutter an möglichst gut getarnter und geschützter Stelle anbringt (bei uns unter einem Orchideenblatt). Die kleinen Spinnen verbleiben auch nach dem Schlupf noch einige Zeit im Kokon und durchlaufen hier ihre weitere Entwicklung. Insgesamt bis zu 14 Häutungen durchlebt jede Spinne, ehe sie den Kokon verlässt. Mit jeder entwickelt sich weiter und gewinnt neue Fähigkeiten.
Das Brutpflegeverhalten ist bei Spinnen teilweise deutlich ausgeprägt: Bei einigen Arten bewacht das Weibchen seinen Kokon während der weiteren Entwicklung (so auch bei uns), trägt ihn mit sich herum oder hängt ihn bei Irritationen an einer anderen Stelle auf. Auch Futterspenden, sowohl durch mitgebrachte Beute, als auch durch hervorwürgte, vorverdaute Nahrung, sind möglich (Regurgitation). In Extremfällen opfert das Muttertier sogar seinen eigenen Körper und dient direkt der Ernährung der Jungen.
In der allerersten Phase nach dem Schlupf aus dem Ei, als sog. Prälarve, ernähren sich die kleinen Spinnen allerdings ausschließlich von einem Dottersack, mit dem sie am Hinterleib (Opisthosoma) ausgestattet sind. Sie besitzen bereits winzige Beine, die jedoch noch nicht funktionstüchtig sind. Das Aussehen in diesem Stadium – ein im Verhältnis zum restlichen Körper riesiger Hinterleib mit Eidotter sowie kleine Füßchen – brachte ihnen im Englischen die Bezeichnung “Eggs With Legs” ein.
Bereits nach der ersten Häutung zur Larve besitzen die Spinnen dann aber voll entwickelte, zur Fortbewegung geeignete Beine. Es ließ sich trotz der relativ blickdichten Hülle schön beobachten, wie sich die Spinnlein im Kokon bewegten. Der Eidotter ist zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend verbraucht und deutlich kleiner geworden. Bei einigen Arten füttern nun wie oben beschrieben die Muttertiere zu.
Die Larve häutet sich schließlich zum sog. Spiderling und durchläuft bis zu 12 Stadien als Nymphe. Die Spinnen werden nun immer selbständiger und verlassen bei einigen Arten auch bereits zeitweise ihren Kokon. Das manchmal zu beobachtende Verhalten, sich an einem Spinnfaden mit dem Wind durch die Gegend tragen zu lassen, an dessen sicherem Ende man gefahrlos wieder zurück in den Kokon findet, wird als “Ballooning” bezeichnet. Ein derartiges Verhalten konnte ich allerdings bei meinem Spinnen nicht beobachten. Leider hatte ich auch nicht immer gleich gute Einblicke in den Eikokon, bis zum 9. September beobachtete ich ihn allerdings täglich. Später war mir eine regelmäßige Kontrolle des Kokons leider aus diversen Gründen nicht mehr möglich. Den Auszug der kleinen Spinnentiere habe ich daher offensichtlich verpasst.
Hier eine kleine Bildergalerie mit den beobachteten Stadien:

Das erste Bild zeigt den Eikokon, wie er sich in etwa zwischen dem 8. und 21. August darstellte. Das gesamte Gebilde misst zu diesem Zeitpunkt ca. 5 mm im Durchmesser und enthält schätzungsweise 25 Eier. Offenbar hat das Muttertier eine erbeutete Spinne als Nahrungsvorrat neben dem Eikokon deponiert.
Am 22. August sind deutlich streifige Strukturen in den Eiern sichtbar. Vermutlich sind dies die Beine der kleinen Spinnen im Ei. Zur Verdeutlichung habe ich die Strukturen schwarz nachgezeichnet. Zwei Spinnen sind offensichtlich sogar schon geschlüpft, eingezeichnet in rot. Die zugehörigen leeren Eihüllen habe ich grün markiert.
Am 26. August sind fast alle Spinnen aus ihren Eiern geschlüpft. Deutlich kann man die Beine der Spinnlein und ziemlich mittig einen Hinterleib erkennen.
 
Die zweite Bildreihe zeigt das rege Treiben innerhalb des Kokons. Bei jedem Besuch haben die Spinnen ihre Position verändert. Ein Ei ist offenbar abgestorben – dieses liegt bis zuletzt unverändert vor und es ist offensichtlich keine Spinne geschlüpft.
Stellvertretend für den Original-Kokon zu guter letzt noch ein weiterer, verlassener Kokon, der vermutlich aber von derselben Spinne stammte. Und schließlich natürlich die Mutterspinne selbst:
 

Zu ergänzen bleibt, dass ich bis heute nicht herausgefunden habe, um welche Spinnenart es sich handelte.
Bei den Zahlenwerten im Artikel handelt es sich nur um ungefähre Angaben. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung der verschiedenen Spinnenarten konnte ich keine verlässlichen konkreten Werte ausfindig machen.

Literatur und weiterführende Links: