Farbdiskriminierung beim Pferd (I)

Pico Farbdiskriminierung mit 3 SchüsselnIm Sommer 2013 startete ich meine ersten Versuche zur Farbdiskriminierung beim Pferd. Spätestens seit Michael Geitners Dualaktivierung in aller Munde ist, weiß jeder Pferdefreund, dass Pferde Gelb und Blau gut unterscheiden können – über detailliertere Angaben allerdings herrscht Uneinigkeit.
Ziel meiner kleinen Versuchsreihe war es nun aber gar nicht, herauszufinden, welche Farbnuancen Pico und Monty exakt voneinander unterscheiden können, vielmehr wollte ich die Farbdiskriminierung nutzen, um ein paar neue Lernspiele für zwei immer neugierige, lernbegeisterte Ponytiere einzuführen.
 
Leider bekam ich im einschlägigen Fachhandel nicht, was ich suchte, also begnügten wir uns bei unseren ersten zaghaften Versuchen mit drei Plastikschüsselchen aus dem nächsten Supermarkt: Einem hellgrünen, einem blauen und einem weißen. Sicher nicht ideal – für einen ersten Test, ob die beiden Ponys überhaupt Spaß an der Sache hätten, schienen mir die Farbkontraste jedoch ausreichend.
 
Der erste Versuchstag startete also mit zwei Schüsseln, nämlich der blauen und der grünen. Die Aufgabe bestand darin, auf das Kommando »Grün« mit der Nase die entsprechende Schüssel zu berühren. Da beide Ponys bereits seit längerem mit Targets vertraut sind, war es überhaupt kein Problem, ihnen die Aufgabe innerhalb weniger Minuten zu vermitteln. Spontan verstanden beide, was sie tun sollten und machten eifrig mit.
 
So nahm ich bereits in der zweiten Trainingseinheit die weiße Schüssel dazu – auch dies absolut keine Hürde für beide. »Grün« wurde weiterhin zuverlässig gefunden und für ein Leckerli auch gerne mit der Nase bestupst.
 
Um die Schwierigkeit zu steigern, führte ich ein paar Tage später das Kommando »Blau« ein. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich meine Pferde maßlos unterschätzt habe, denn ich rechnete mit zwei verwirrten Ponys, die hartnäckig auf die grüne Schüssel bestehen würden. Allerdings: Nach einer kurzen “Erklärung” meinerseits klappte alles problemlos: Nun war statt der grünen eben die blaue Schüssel gefragt – keine echte Herausforderung für kluge Ponys.
 
Danach allerdings wurde es dann doch komplex für die beiden: Die Kommandos »Grün« und »Blau« wurden kombiniert und es sollte je die passende Schüssel gewählt werden. Pico verlor innerhalb kürzester Zeit das Interesse an der Übung und signalisierte deutlich, dass ihn die Aufgabenstellung überforderte – Monty löste das Ganze mit typischem Ponycharme: In unglaublicher Geschwindigkeit tippte er nacheinander alle zur Verfügung stehenden Schüsseln merhrfach an, um schließlich energisch seine Belohnung zu fordern – klar, die passende Schüssel war ja mit Sicherheit dabei gewesen. Wie oft, und wieviele andere auch, spielt für ein gewitztes Pony offensichtlich keine Rolle und wirklich nachzudenken, dazu hatte er zweifelsohne überhaupt keine Lust. Ein paar Mal konnte ich ihn dazu bringen, sich auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren, die Fehlerquote blieb aber signifikant höher, als bei den anderen Experimenten und nach wenigen Versuchen hatte auch Monty ganz offensichtlich den Spaß an der anstrengenden Übung verloren.
 
Resümee: Eine Farbe pro Trainingseinheit zu erkennen, stellt für beide überhaupt kein Problem dar. Sie programmieren sich quasi auf diese eine Farbe und handeln entsprechend. Das verbale Kommando, das ich gebe, ist dabei mehr oder weniger nur der Startschuss. Die Bedeutung des Wortes mit der entsprechenden Farbe zu verknüpfen, fällt dagegen beiden schwer – auch dann, wenn ich die Begriffe mit Hilfe eines speziellen Schnalzlautes oder einer zusätzlichen Geste noch leichter unterscheidbar mache. Die Kombination eines “Befehls” mit einer Farbe ist ganz offensichtlich eine recht abstrakte Aufgabe für beide und die Motivation, sich darauf zu konzentrieren, eher gering. Dass beide prinzipiell allerdings doch in der Lage waren, die Aufgabe zu verstehen und auch umzusetzen, finde ich enorm. Es sei ihnen verziehen, dass sie keine Lust hatten, sich für einen klitzekleinen Maiskringel sooo anzustrengen.

 

Anmerkung: Die Fotos sind qualitativ leider nicht sehr gut. Ich wollte aber gerne die Originalbilder unser ersten Versuche verwenden.