Augenuntersuchungen beim Pferd: Die Fluoresceinprobe

Fluo neg
Da ich die Fluoresceinprobe (glücklicherweise) nur ohne pathologischen Befund kenne, habe ich kürzlich die befreundete Tierärztin Sabine Richter von der Pferdepraxis Richter gefragt, ob sie mir vielleicht ein positives Ergebnis zeigen könnte. Netterweise hat sie mir nicht nur tolle Bilder herausgesucht, sondern auch erlaubt, diese hier zu veröffentlichen. Alle Fotos dieses Artikels stammen von ihr – ganz herzlichen Dank dafür!

Die Fluoresceinprobe wird durchgeführt, um Hornhautschäden am Auge nachzuweisen. Hierzu wird vom Tierarzt Fluorescein, ein intensiv grün leuchtender Farbstoff, in das Auge eingeträufelt. Ist die Hornhaut (Cornea) intakt, wird kein Fluorescein in das Auge eingelagert. Am obigen Bild sieht man sehr schön, wie das Fluorescein einfach mit der Tränenflüssigkeit abläuft. Dieses Auge hat keinen Hornhautschaden, entsprechend ist am Augapfel selbst keine grüne Verfärbung zu erkennen. (Es lag in diesem Fall eine autoimmunbedingte Keratitis vor).

Auch über den Tränen-Nasen-Kanal, also über die Nüstern, läuft das Fluorescein übrigens ab und kann daher auch zur Überprüfung der Durchgängigkeit der Tränenkanäle verwendet werden.

Hier nun aber zwei positive Ergebnisse, bei denen man den jeweiligen Hornhautdefekt gut erkennen kann:

 
Bild 1: Etwa centstückgroßer Hornhautdefekt mit Konjunktivalödem, Blepharospasmus, Fluo +
Fall 2: Hornhautdefekt mit Unterlidschwellung, Fluo +

Verwendet wird für diese Untersuchung in der Regel 2%-ige Fluorescein-Lösung. Der wirksame Bestandteil ist Uranin, das Dinatriumsalz des Xanthen-Farbstoffs Fluorescein (“Fluorescein-Natrium”). Es verhält sich lipohob (also fettabweisend) und ist gleichzeitig hydrophil (wasserliebend). Aufgrund dieser Eigenschaften färbt es das lipidhaltige Epithel (die äußerste Schicht) der Hornhaut nicht an, wohl aber tiefere Schichten, in die es vordringt, wenn das Epithel verletzt wurde. Voraussetzung ist allerdings, dass noch ausreichend lebende Zellen vorhanden sind. Ist die Hornhaut bis zur sog. Descemet-Membran abgetragen, fällt der Test (falsch) negativ aus. (Auf den mikroskopischen Aufbau der Cornea möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Für das Verständnis der Fluorescein-Probe reicht es, zu wissen, dass die Cornea aus verschiedenen Schichten besteht, die sich unterschiedlich anfärben lassen. Detailliertere Info kann man jedem Histologie-Buch entnehmen).

Hier ein Querschnitt durch das Auge als kleine 3D-Animation:

Falls Ihr Browser das hier eingebettete Video nicht anzeigen kann, können Sie es auch auf meinem YouTube-Kanal ansehen.

Zwei Standbilder aus dem Video (Zur kompletten Darstellung Bilder bitte anklicken):

 
Und abschließend noch die Strukturformel von Fluorescein-Natrium (erstellt mit Molview.org):
Uranin Uranin
(Über diesen Link zu Moview.org, kann man direkt das zugehörige 3D-Modell betrachten, rotieren und in verschiedenen Darstellungsweisen anzeigen lassen).
 
Weiterführende Literatur: