Ein Mikroskop für weniger als 60 Euro?

Lunge
Der Gedanke, für derart kleines Geld ein Mikroskop zu bekommen, das dank USB-Port auch noch über eine Fotografier- und sogar Filmfunktion verfügt, erscheint schon verwegen. Entsprechend skeptisch war ich, als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal ein entsprechendes System gesehen habe. Mittlerweile allerdings hat meine Neugier gesiegt und ich habe mich nach längerer Bedenkzeit endlich zum Kauf durchgerungen. Erstanden habe ich das »USB Digital Microscope« von GamuTek (Link siehe unten). Hier nun mein kleiner Test, was das Mikroskop zu leisten vermag – und was eher nicht.

Das per CD mitgelieferte Programm »MicroCapturePro« ließ sich auf meinem MacBook problemlos installieren und ist intuitiv und einfach zu bedienen. Das Manual, das sich auch auf der CD befindet, benötigt man dazu nicht wirklich.
Das Mikroskop selbst ist schnell in die Halterung gesteckt und mit wenigen Handgriffen funktionsbereit. Es ist vom Prinzip her ein kleines Auflichtmikroskop mit integrierter Beleuchtungseinheit (Ringbeleuchtung aus 8 LEDs). Letzteres ist natürlich praktisch, weil man keine zusätzliche Lampe benötigt, allerdings entstehen bei größeren Abständen vom Präparat schnell störende Spiegelungen, so dass man doch wieder gerne auf eine externe Lichtquelle zurückgreift. Zwar kann man die Leuchtkraft prinzipiell in der Stärke verstellen, allerdings reguliert das Mikroskop selbsttätig nach, so dass eine wirklich spezifische Ausleuchtung nicht möglich ist.

Das Mikroskop vergrößert 20- bis 300-fach. Um die Optik ein bisschen zu testen, habe ich verschiedene Präparate untersucht und bin doch erstaunt, was ich alles erkennen kann. Nicht in der gewohnten Qualität, aber dennoch beeindruckend. Offen bleibt für mich die Frage, wie groß die tatsächlich durch das Linsensystem erreichte Vergrößerung ist und wie groß die leere Vergrößerung. Histologische Schnitte, Schlämm-Rückstände von Sedimentproben, Wasserproben … Die kleine Bildergalerie zeigt meine Ergebnisse (Erläuterungen zu den Bildern finden sich unten in diesem Artikel):


 
Was man den Bildern nicht ansieht, ist die Tatsache, dass es durchaus mühsam ist, den Schärfebereich einzustellen. Das System ist leider recht instabil – und die Drehräder laufen im Verhältnis dazu viel zu streng und unpräzise. Egal, wie vorsichtig man auch ist, es lässt sich kaum vermeiden, dass sich beim Justieren der Schärfe der Bildeinschnitt leicht verschiebt oder beim Loslassen der Drehräder der Fokus wieder verloren geht. Wenn man an dieser Stelle allerdings den Preis berücksichtigt, stimmt einen das sofort milde. Ein bisschen Einsatz – und die Fotos werden doch ganz passabel!
Als Auflösung für den Bildsensor wird 5 MP angegeben. Exportierte Bilder (JPEG) erscheinen maximal im Format 2592 x 1944 Px. Spontan habe ich auch im Vollbildmodus per Screenshot fotografiert, allerdings fällt sofort auf, dass hierbei das Bild verzerrt dargestellt wird. Ein am USB-Kabel angebrachter Auslöser funktioniert übrigens nur unter Windows, ist aber durchaus entbehrlich.

Um die Video-Funktion zu testen, habe ich spontan den wilden Reigen einiger Stechmückenlarven aus einer Regentonne gefilmt. Exportiert wird als AVI mit einer Framerate von 19 fps.

Musik: Run Amok Kevin MacLeod (incompetech.com), licensed under Creative Commons: Attribution 3.0 Unported (CC BY 3.0)

Stürzt das Programm ab, so sind bereits aufgenommene Bilder verloren, da nicht automatisch zwischengespeichert wird. Es ist also empfehlenswert, besonders gelungene Fotos sofort zu exportieren! Schließt man das Programm aber regulär, bleiben alle Dateien erhalten und stehen beim nächsten Öffnen wieder zur Verfügung.

Zusammenfassung:
Natürlich kann dieses kleine Gerät dem Vergleich mit professionellen Geräten nicht standhalten.
Dennoch ist es – man bedenke Preis und Größe – erstaunlich leistungsstark und zum ersten Einstieg bzw. für Kinder sicher ideal. Wer seine Erwartungen realistisch anpasst, wird vermutlich recht zufrieden sein.
Der Reiz des Systems liegt für mich klar in der Einfachheit des Systems. Problemlos kann man es zusammen mit einem Notebook mit nach draußen nehmen und es quasi als „Skizzenheft“ der Mikroskopie verwenden bzw. sich einen schnellen Überblick über Proben verschaffen … Die Tatsache, dass histologische Schnitte, die man ja eigentlich mit Durchlicht mikroskopieren würde, erkennbar sind, hat mich überrascht. Kurz: Das Gerät ist ein netter kleiner Allrounder. Wer „richtig“ mikroskopieren möchte, muss aber natürlich sehr viel tiefer in die Tasche greifen.

Angaben zu den Bildern:
Artikelbild:
Lunge, Färbung HE
Bildergalerie (von links oben nach rechts unten):
Colon, Färbung HE
Schilddrüse, Färbung HE (Screenshot mit eingeblendetem Fadenkreuz)
Charophyten
Ostrakoden
Daphnia
Stechmückenlarve (Puppe)
Volvox
Tilia spec. (Linde), Querschnitt

Das Mikroskop im Einsatz

Link:
Erworben habe ich das kleine Mikroskop bei Amazon. Der Link ist nicht gesponsert, er dient rein der Information.