Der Meteorit Muonionalusta


1906 wurde nahe Muonionalusta im heutigen Schweden das erste Fragment dieses gleichnamigen Meteoriten gefunden. Die Bruchstücke des beim Eintritt in die Erdatmosphäre zersprengten Himmelskörpers waren einst in einem riesigen Streufeld im Bereich der nördlichen Taiga niedergegangen, vermutlich bereits etwa eine Million Jahre zuvor. Muonionalusta ist damit einer der ältesten bekannten Meteorite. Zusammen mit den späteren Funden beträgt die Masse (TKW) des mittlerweile geborgenen Materials heute etwa 230 000 g.
 
Klassifiziert ist der Muonionalusta als Eisenmeteorit, genauer: es handelt sich um einen Oktaedrit. Die vorliegende Scheibe zeigt wunderschön das nur bei oktaedritischen Meteoriten auftretende Phänomen der Widmanstätten-Strukturen: Ätzt man eine angeschliffene und polierte Fläche des Meteoriten beispielsweise mit methanolhaltiger Salpetersäure, so zeigt sich aufgrund der unterschiedlichen Säurebeständigkeit der beiden vorliegenden Mineralien – Kamacit und Taenit – ein auffälliges Streifenmuster.
 
Ein bisschen genauer: Oktaedrite entstammen dem metallischen Kern von Asteroiden und bestehen daher aus einer Eisen-Nickel-Legierung, die ursprünglich rein aus Taenit gebildet wurde. Aus dieser anfangs homogenen Legierung kristallisiert bei sehr langsamer Abkühlung schließlich Kamacit. Vorgegeben durch die vorhandene Kristallstruktur des Taenits kann dieser Prozess nur entlang bestimmter Flächen stattfinden. Es entstehen daher kleine Kamacit-Oktaeder, zwischen denen reliktisch der Taenit übrigbleibt. Entsprechend findet man am Ende des Kristallisationsprozesses oktaedrische Platten von Kamacit (= Balkeneisen) und zwickel- bis bandförmige Reste von Taenit (= Bandeisen), die sich optisch gut unterscheiden lassen. Im Überblick:

Kamacit: Taenit:
Synonym: Balkeneisen Bandeisen
Entstehung: beim Abkühlen urspünglich vorhanden
Nickelgehalt: 4 – 7,5 % Ni 20 – 25 % Ni
Säurebeständigkeit: geringer stärker
Kristallgitter: kubisch-raumzentriert kubisch-flächenzentriert
Kristallform: tafelförmig, oktaedrisch bandförmig, zwickelförmig




Ergänzend noch ein Bild eines ungeschliffenen Bruchstücks (Quelle: Wikimedia, bearbeitet):