Wassertropfen fotografieren

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Vor einigen Jahren versuchte ich mich in einer recht spontanen Aktion völlig unvorbereitet das erste Mal in der Wassertropfenfotografie. Um es gleich vorweg zunehmen: Damals scheiterte ich kläglich. Am tropfenden Wasserhahn des Badezimmer-Waschbeckens wollte es mir partout nicht gelingen, auch nur einen einzigen Tropfen dekorativ abzulichten. Kurzer Hand gab ich auf, überzeugt, die falsche Ausrüstung und (an diesem Tag zusätzlich) zu wenig Zeit zu besitzen. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte mich scheinbar: Angeblich benötigte man für die hohe Kunst der Wassertropfenfotografie allerlei technisches Gerät – eine Lichtschranke, einen entfesselten Blitz und noch so einiges an Profi-Ausrüstung, wovon ich derzeit nur träume. Dennoch ließ mich das Projekt Wassertropfen nicht wirklich los  – und als ich mich dann eines  schönen Tages mit Liebe, Muße und meiner Kamera erneut vor eine Wasserschüssel setzte, stellte ich fest, dass Wassertropfen zu fotografieren alles andere als schwierig oder aufwändig sein muss, lediglich ein paar Tricks sollte man kennen.

Das Hauptproblem: Zur vernünftigen Ausleuchtung der Tropfen benötigt man in jedem Fall einen Blitz. Mit ausreichend starken externen Lichtquellen und ISO 400 kann man zwar durchaus Tropfen abbilden, wirklich brillant werden die Ergebnisse aber wegen der Körnigkeit, die bekanntermaßen der hohe ISO-Wert mit sich bringt, nicht. Blitzt man dagegen direkt mit dem kameraninternen Blitz, so überbelichtet es die Aufnahmen bis zur Unkenntlichkeit. Während der Profi hier auf den entfesselten Blitz zurückgreift (was sicherlich die besten Ergebnisse liefern würde), kann man alternativ allerdings auch die Blitzleistung des eingebauten Kamerablitzes drosseln, in meinem Fall auf ein Drittel der Maximalleistung. Das liefert vernünftige Ergebnisse, und störende Reflexionen reduzieren sich auf ein erträgliches Maß.

Alles andere ergibt sich dann auch schon von selbst: Blende auf 8, um ausreichende Tiefenschärfe zu gewährleisten. Belichtungsszeit so kurz wie möglich, um die Bewegung unverwackelt einzufangen. (Bei mir 1/500 s, das ist die kürzeste Zeit, die mein Fotoapparat noch mit dem Blitz zu synchronisieren vermag). Ach ja, und ISO 100, somit wären die EXIF-Daten komplett.
Die Versuchsdurchführung selbst gestaltete sich in meinen Experimenten übrigens denkbar simpel: Ein kleiner Handtropfer in der Linken – und die Kamera auf einem CD-Stapel als Stativ-Ersatz mit der rechten Hand bedient. Natürlich muss vor der ersten Aufnahme der fokussierte Schärfebereich manuell festgelegt werden, da der Autofocus  bei diesem Experiment versagen wird. Am einfachsten geht das, wenn man zur Einstellung die Tropferspitze an die anvisierte Auftropfstelle hält und darauf fokussiert.

IMG_6636aGimpaa1024_50rTja, und  dann einfach fröhlich tropfen und im rechten Moment den Auslöser betätigen… Fallende Tropfen, Kegel und Krönchen erhält man so mit etwas Übung in mindestens jedem 5. oder 6. Foto. Schwieriger ist es, Schirmchen wie im Artikelbild gezeigt, zu fotografieren. Diese entstehen, wenn ein von der Wasseroberfläche zurückgeworfender Tropfen mit dem nächsten, von oben nachfallenden, Tropfen kollidiert. Am besten tropft man also aus ausreichender Höhe, damit ein stattlicher Rückwurfkegel entsteht und schickt relativ hochfrequent weitere Tropfen nach. Der Rest ist gutes Timing und ein bisschen Glück. Um die Bilder ausdrucksstark zu gestalten, empfiehlt es sich, mit verschiedenen Hintergründen zu experimentieren: Deren Spiegelung in den Tropfen ist immer wieder faszinierend. Das verwendete Wassergefäß sollte nach Möglichkeit keine Kanten besitzen und randvoll gefüllt werden; denn auch, wenn die Pritschlerei dadurch größer wird: Vor allem Behälter aus Glas liefern störende Reflexionen, wenn man (wie hier beschrieben) von frontal blitzt. Ansonsten sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt: Verschiedene Flüssigkeiten, unterschiedliche Beleuchtungen oder Zusätze im Wasser, die die Oberflächenspannung verändern… Wer übrigens nicht per Hand tropfen möchte, kann auch einen verschließbaren Gefrierbeutel mit Wasser befüllen, mit einer Nähnadel perforieren und über die Wasserschüssel hängen; das funktioniert in seiner Einfachheit ganz prima.

Eines sei abschließend sicherheitshalber noch kurz erwähnt: Wasserspritzer auf dem Objektiv lassen sich kaum  vermeiden, also Linse regelmäßig trocknen oder (noch besser) einen Schutz über das Objektiv ziehen.

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Weitere Wassertropfenbilder finden sich auf meinem Flickr-Account. Dort werde ich auch bei Gelegenheit die schwarz-grün-türkis hinterlegte Serie durch weitere Aufnahmen mit anderer Kulisse  ergänzen.

Falls sich übrigens irgendjemand durch diesen Artikel inspiriert fühlen sollte, selbst auch einmal Wassertropfen zu fotografieren, so würde ich mich über eine Rückmeldung sehr freuen! Und nun viel Spaß!

 
 
Literatur:

Kaum hatte ich selber rausgefunden, wie es geht, habe ich auch im Internet einige doch recht hilfreiche Hinweise entdeckt. Wer also weitere Anregungen sucht oder sich auch auf professionellere Art und Weise mit der Tropfenfotografie beschäftigen möchte, der wird bei den folgenden Links sicher Passendes finden:

Alle Bilder wurden mit einer Canon Powershot A620 aufgenommen.